***** Musikalisch waren Queen immer für Überraschungen gut. Im Gegensatz zu vielen anderen Topgruppen, die im großen und ganzen immer das gleiche boten, waren Queen spätestens seit dem Album „Jazz“ aus dem Jahre 1978 wagten Freddie Mercury, Brian May, John Deacon und Roger Taylor immer wieder kleinere musikalische Experimente die ihnen ermöglichten, sich den aktuellen Hörgewohnheiten der Musikkonsumenten anzupassen, ohne sich allerdings irgendwelchen musikalischen Trends anzubiedern. Ein gutes Beispiel dafür ist ihr 1980er Hit „Another One Bites The Dust“, eine äußerst gelungene Kombination aus schwarzem Disco-Funk mit dem für Queen typischen Rock. Nach dem äußerst produktiven Jahr 1980 mit dem Album „The Game“ und dem Soundtrack „Flash Gordon“ ließen es Queen erst einmal ruhiger angehen. Einziges Lebenszeichen war die im Herbst 1981 in Zusammenarbeit mit David Bowie erschienene Single „Under Pressure“. Aber eine Supergruppe kann sich eine längere Auszeit gönnen, man vergißt sie einfach nicht und außerdem verkauft sich nach einer längeren Sendepause ein neues Album dann besonders gut. Mitte 1982 erschien dann mit „Hot Space“ das 10. Werk von Queen (das Livealbum „Live Killers“ von 1979 und der Soundtrack für „Flash Gordon“ inbegriffen). Wenn man die großen Queen Werke der 70er Jahre als Maßstab nimmt, dann wirkt „Hot Space“ im ersten Moment eher enttäuschend. Dementsprechend hat mir dieses Album zu Beginn so ganz und gar nicht zugesagt. Maß muß sich für dieses in Montreux und München produzierte Werk Zeit nehmen, denn wenn man sich erst einmal reingehört hat, dann offenbart es seine Qualitäten und weiß zu überzeugen. Seite 1 bietet gleich eine Überraschung, klingt Queen hier überraschend soulig. Wer Queen als Rockgruppe schätzt, der wird von Stücken wie „Staying Power“, „Back Chat“ oder „Body Language“ vielleicht erst einmal enttäuscht sein. Aber wenn man sich erst einmal in die Stücke „reingehört“ hat, dann wissen sie zu überzeugen. Überhaupt zeigen Queen speziell mit der ersten Seite, daß musikalischer Stillstand für sie ein Fremdwort war, daß sie ihren spezifischen Sound immer wieder mit anderen Stilmitteln der populären Musik angereichert haben. Die fünf Stücke auf Seite 2 präsentieren dagegen die „alten“ Queen. Das schmachtende „Las palabas de amor (The Words Of Love)“ erinnert an alte Glanznummern der 70er Jahre und dürfte auf „Hot Space“ mit Sicherheit ein Favorit für die Fans sein, die der Gruppe seit ihrem Auftauchen im Jahre 1973 die Stange halten. „Put Out The Fire“, „Calling All Girls“ und „Cool Cat“ sind gute, eingängige Stücke, die eigentlich bei jedem Fan der Gruppe auf Wohlwollen stoßen dürften, auch wenn sie nie schaffen, Fanfavoriten zu werden. Anders dagegen „Under Presurre“, die Zusammenarbeit mit David Bowie, die als Singleauskopplung zur Jahreswende 1981/82 ein internationaler Tophit war. Eher zwiespältig finde ich „Life Is Real“, Queens Hommage an John Lennon. Ob dieses Stück unbedingt notwendig war? Das kann jeder Fan für sich selber beantworten. Alles in allen bietet „Hot Space“ ein abwechslungsreiches, unbeschwertes Hörvergnügen. Mit „Under Pressure“ enthält es zwar nur einen echten Überflieger, dafür aber auch keinen Schwachpunkt. Fans der Gruppe wird dieses wirklich vorzügliche Album bestens gefallen. Wer Queen allerdings einmal kennenlernen möchte, der sollte das nicht unbedingt mit „Hot Space“ machen. |