****** Für das Nachfolgewerk von „All Things Must Pass“ ließ sich der gute George Harrison fast drei Jahre Zeit (wenn man mal von seinem Benefizprojekt „The Concert For Bangla Desh“ aus dem Jahre 1971 absieht). Für sein drittes, Mitte 1973 erschienenes Werk „Living In The Material World“ mußte George viel Kritikerschelte einstecken. Bekam „All Things Must Pass“ noch durchgehend gute Kritiken, so stieß sein neues Werk durchgehend auf Ablehnung, teilweise wurde es von den internationalen Musikkritikern förmlich in der Luft zerrissen. Für sie war klar, dieser George Harrison war eine musikalische Eintagsfliege, der sein ganzes musikalisches Potential mit nur einem Album verschossen hatte. Was hatte der gute George verbrochen? Ganz einfach, er hatte mit „Living In The Material World“ ein schlichtes, ganz persönliches Album eingespielt, bei dem er auf Effekthascherei verzichtete und statt dessen einfach nur gute Musik bot. Einer wie er konnte sich das auch leisten, er brauchte niemanden mehr zu beweisen, was er kann. Das Album besteht zur einen Hälfte aus überwiegend aus ruhigen, teilweise besinnlichen und flotten Titeln. Von den flotten Titeln gefällt mit „Sue Me, Sue Your Blues“, ein atmosphärischer Blues im Clubformat, am besten. Geprägt wird das Stück durch ein herrlich rollenden Piano von Nicky Hopkins und George Slidegitarrenspiel, das an Eric Clapton erinnert. Der Titelsong ist gewürzt mit kleinen exotischen Einlagen wie Sithar und Tablas. Die ruhigen Stücke sind in ihrer Schlichtheit einfach nur schön. Stellvertretend dafür ist „Give Me Love (Give Me Peace On Earth)“, das als Singleauskopplung im Frühsommer 1973 ein Nummer 1 Hit in den USA wurde. Wenn man von George keine Wundertaten erwartet, dann eröffnet sich einem mit „Living In The Material World“ ein wirklich schönes Werk von zeitloser Klasse. Wer gute Musik, abseits des Mainstreams zu schätzen weiß, der sollte sich dieses Werk unbedingt einmal zu Gemüte führen. |