****** Bei den Fab-Four stand George immer im Schatten von Paul Mc Cartney und John Lennon. Gegen das dynamische Duo hatte er immer einen schweren Stand und konnte sich mit seinen Lieder immer schwer durchsetzen. Mit gerade mal 18 Song ist er am Gesamtwerk der Beatles vertreten. Unter diesen 18 Song befinden sich allerdings musikalische Perlen wie „Taxman“, „While My Guitar Gently Weeps“, „Here Comes The Sun“ oder „Something“, die denen der Klassiker von Lennon/McCartney in Nichts nachstehen und zweifelsfrei zu den herausragenden Liedern des Beatles Gesamtwerks gehören. Er war 1968 der erste Beatle, der mit „Wonderwall“ ein Soloalbum veröffentlichte. Doch mit der versponnenen und experimentellen Musik seiner ersten beiden Werke „Wonderwall“ und „Electronic Sounds“ konnte er keine nennenswerte Erfolge verbuchen. Aufsehen erregte George, als 1967 nach Indien reiste, um von Ravi Shankar in die Kunst der Sithar eingeführt zu werden. Auf diese Weise sorgte George davor, daß dieses traditionelle indische Instrument Einzug in die Rockmusik hielt und der Musiker Ravi Shankar bei den Rockfreunden auf ein interessiertes Publikum stieß. Mit seinen Auftritten war Shankar Ende der 60er Jahre ein umjubelter Top-Act eines jeden Rockfestivals. Als sich die Beatles 1970 trennten, traute man George ebenso wie Ringo Starr keine sonderlich erfolgreiche Solokarriere zu. George strafte aber alle Kritiker Lügen und war der erste Ex Beatle, der einen Nummer 1 Hit landen konnte. „My Sweet Lord“ hieß das Stück und war weltweit eine Nummer 1 und eine der bestverkauften Platten des Jahres 1971 überhaupt. Interessant an „My Sweet Lord“ ist die Tatsache, daß das Stück eine Coverversion war. Anfang 1970 hatte der mit den Beatles befreundete Musiker Billy Preston diese George Harrison Komposition für eines seiner Alben eingespielt, fand aber keine größere Beachtung. Ausgekoppelt war „My Sweet Lord“ aus dem phänomenalen 3fach Album "All Things Must Pass", auf dem so prominente Musiker wie Eric Clapton, Bob Dylan, Billy Preston, Gary Brooker, Ringo Starr, Alan White, Klaus Voormann, Carl Radle, Gary Wright, Bobby Whitlock, Billy Preston, Pete Drake, Dave Mason sowie die britische Rockgruppe Badfinger vertreten waren. Produziert hatte George das Album gemeinsam mit Phil Spector. Mit diesem Album erteilte George all seinen Kritikern eine Lehrstunde und bewies, daß er alles andere als ein musikalischer Mitläufer, ein Anhängsel der Beatles war und präsentierte sich exzellenter Gitarrist, Sänger und Songschreiber. 1976 mußte George den Komponisten von "He`s So fine" nach einem jahrelangen Rechtsstreits Millionen an Tantiemen zahlen, hatte er die Melodie von "He`s so fine" einfach für seinen Lord verwendet. Erstaunlich ist, daß das Phil Spector nicht aufgefallen ist, hatte er doch auch "He`s So Fine" produziert. Wie dem auch sei, „My Sweet Lord“ ist m.E. eines der schönsten und außergewöhnlichsten Lieder der 70er Jahre. Die insgesamt 23 Stücke (wovon „Isn’t It A Pity“, nebenbei die Single B-Seite von „My Sweet Lord“, gleich in zwei Variationen vertreten ist) sind durchwegs brillant. Ob verträumt, rockig oder experimentell - hier gibt George eine eindrucksvolle Visitenkarte seines Könnens ab. Mit Sicherheit dürfte die Musik nicht jedermans Sache sein, aber wenn man unbefangen an dieses Werk herangeht, dann eröffnen sich einem mit Stücke wie „My Sweet Lord“, „Isn’t It A Pity“, „What Is Life“ (als zweite Singleauskopplung im Frühjahr 1971 ein internationaler Tophit), „If Not For You“ (eine Bob Dylan Komposition, im Frühjahr 1971 in der Version von Olivia Newton-John recht erfolgreich), „Ballad Of Frankie Crisp (Let It Roll)“, „All Things Must Pass“ und dem grandiosen „Run Of The Mill“ ein eindrucksvolles Hörerlebnis. Der Rest klingt etwas sperrig, eröffnet aber nach und nach seine ganze Klasse. Natürlich hat „All Things Must Pass“ auch einige Längen, die eigentlich bei einem Mehrfachalbum nicht zu vermeiden sind. Allerdings stecken in diesem Tripple-Album so viele Ideen, die man auf eine ganz normale LP nicht hätte packen können. Es gibt wohl kein Mehrfachalbum von anderen Künstlern und Gruppen, die nicht über gewisse Länge verfügen. Demnach war es kein Fehler von George, seine musikalische Ideen gleich auf sechs LP-Seiten zu packen. Als eingefleischter George Harrison Fan fehlt mir die nötige Objektivität, um „All Things Must Pass“ entsprechend zu bewerten. Aber finde, das Album ist nun mal ein Meisterwerk eines außergewöhnlichen, leider all zu oft unterschätzten Künstlers, das sechs Sterne einfach verdient hat. Laatst gewijzigd: 24/12/2007 18:04 |